Hundertwasserhaus Plochingen
Geschichte des Hauses 
Der Klang des Regenturms!HÖRPROBE

Von Sascha Selke

Dur, Moll, oder gar Kirchentonart?

Betrachten wir den Regenturm, als sei er eine Flöte, die man oben anbläst, und betrachten wir die Fenster als Grifflöcher, so zeigt sich an den Proportionen der Fensterpositionen, dass fast jedes Fenster tatsächlich einen Ton einer Tonleiter ergeben würde, genauer gesagt einer Dur-Tonleiter! (Erkennbar ist das an den großen Terzen und Sexten, in Moll wären die Terzen und Sexten klein.) Die Fenster, die »perfekte Treffer« auf ein Intervall (gemessen am Grundton) sind, sind hier durch eine weiße Umrandung markiert, Fenster, bei denen der Flötist durch Teilabdeckung der Grifflöcher »nachstimmen« müsste, durch eine hellblaue Umrandung. Die blauen Balken stellen die Länge der jeweiligen Luftsäule dar, die am betreffenden Fenster/Griffloch in der Flöte entstehen würde und sind mit dem entsprechenden Intervall beschriftet:

Foto Sascha SelkeFoto Sascha Selke

Und was ist der Grundton des Regenturms?


Welchen Grundton hätte nun aber diese Flöte? Die Höhe der stehenden Schallwelle entspräche der Höhe des rundum geschlossenen Teils des Flötenkorpus. Gemessen vom Innenhofboden bis zur tiefsten Stelle der Brüstung sind das 23,7 Meter. Eine stehende Welle (wie sie in jedem Flöteninstrument beim Anblasen entsteht) mit dieser Wellenlänge von 23,7 m ergibt eine Frequenz von 14,5 Hz, das entspricht ziemlich genau (mit einer Abweichung von weniger als einem halben Hertz) der Note A. Der Regenturm klingt also in A-Dur!
Die vier goldenen Kugeln auf den Säulen des Turms haben einen Durchmesser von jeweils 1,6 m. Eine stehende Schallwelle von 1,6 m hat eine Frequenz von 214,375 Hz. Und welche Note mag wohl in heutiger Stimmung dieser Frequenz am nächsten sein (nämlich mit weniger als einem Viertelton Entfernung)? Das A in der kleinen Oktav!
Und als sei das noch nicht deutlich genug: Bei zwei unabhängigen spektrographischen Messungen am 6. August 2014 im Innenhof des Hundertwasserhauses Plochingen zeigte sich eine eindeutige Häufung von Tonfrequenzen um eine einzige Tonhöhe herum: Das A in der kleinen Oktav. Hier sei beispielhaft das Spektrogramm einer der Messungen gezeigt:
Foto Sascha Selke Foto Sascha Selke


Und welche Melodie spielt der Regenturm?


Wenn wir die „Treffer“ aus Abbildung 1 betrachten und zählen, wieviele Treffer auf welche Noten kommen, ergibt sich folgende Liste:

Häufigkeit der getroffenen Intervalle:

Exakte Treffer:
Interval Notenname (in A-Dur)
Grundton 2 x A
Große Sekund 1 x H
Große Terz 2 x Cis
Quart 1 x D
Quint 2 x E
Große Sext 1 x Fis

Treffer, die man nachstimmen kann:
Interval Notenname (in A-Dur)
Große Sekund 2 x H
Quart 1 x D
Große Sext 2 x Fis
Große Sept 2 x Gis


Nimmt man nun diese Noten und ordnet sie nach der Häufigkeit ihres Vorkommens, also ihrer Wichtigkeit, ergibt sich:

2 x 1 x nachgestimmt
A H H (2 x)
Cis D D
E Fis Fis (2 x)
Gis (2 x)

Aus diesem Vorrat bildet sich nun die Melodie des Regenturms:
Die häufigsten Noten (A, E und Cis) bilden Anfang der Melodie, dann folgen die selteneren Noten (H, und später Fis). Die Begleitung beginnt ebenfalls mit A(-Dur), gefolgt von E (in erster Umkehrung, also mit Gis im Bass), dann folgen auch hier die selteneren Töne Fis und D:
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Auch eine weitere Harmoniefolge lässt sich aus den Noten des Regenturms ableiten: Zuerst die Dreiklänge auf die häufigen Töne A und Cis, dann auf die selteneren Fis und D, gefolgt vom wiederum häufigeren E:
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Rhythmisch bietet sich an, sich ebenfalls vom Regenturm inspirieren zu lassen: Die Gesamthöhe des Turmes beträgt dreiunddreißig Meter und er ist gekrönt von vier goldenen Kugeln. Warum also nicht im Rhthmus Dreiergruppen parallel zu gleichlangen Vierergruppen setzen! Und wie das klingt, wenn man es z.B. mit dem Klavier spielt,
kann man in der Hörprobe hier hören – ein fröhlicher Regentag!
Sascha Selke, September 2014              http://www.saschaselke.com/